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Kampf gegen die Schuldenlast

Kurz vor der in diesem Jahr so sehr herbeigesehnten Herbst-Rallye bemühen sich die börsennotierten spanischen Unternehmen um neue Leichtigkeit. Mit Blick auf die Aktionäre muß Ballast abgeworfen werden und auch die teilweise bedrohlich hohen Verbindlichkeiten müssen abgebaut werden.

Auch in der spanischen Wirtschaft ist die Luft in der Jahresmitte 2002 dünn. Nachdem die führenden Unternehmen jahrelang Milliarden von Euro für ihre Expansionspläne aufbrachten, und alles aufkauften, was ihnen in die Hände kam, sehen viele jetzt rundherum rot. Die Schuldenlast einiger Konzerne übersteigt die Aktiva um das Dreifache und droht die Gewinne aufzuzehren. Doch die ersten Wirtschaftszweige wissen aus der prekären Lage bereits Kapital zu schlagen. Die Präsidenten der zwei spanischen Großbanken, Emilio Botín (SCH), und Francisco González (BBVA), kündigten jetzt einen Desinvestitions-Katalog an. Bis Ende des Jahres wollen sie sich von industriellen Beteiligungen trennen. SCH erzielte dieses Jahr mit dem Verkauf von Aktien- pakten an Dragados, Vallehermoso und Aguas de Valencia einen Mehrwert von fast einer Milliarde Euro, während BBVA 23,9 Prozent an das Bauträger- und Immobilienunternehmen Metrovacesa abtrat. Bei diesen Operationen erzielten beide Institute Prämien von bis zu 60 Prozent.

Wohl leiden die Banken im Gegensatz zu den industriellen Unternehmen nicht unter einer Schuldenlast, die Krise in Argentinien zwang sie jedoch zu Rückstellungen in Höhe von zwei Milliarden Euro, was die Gewinne in den letzten Quartalen fast gänzlich aufgebraucht hat. Mit dem Verkauf von Beteiligungen wird Mehrwert für die Aktionäre geschaffen und durch schlankere Strukturen Kapazitäten für zukünftige Operationen bereit gestellt. Denn das langfristige Ziel spanischer Banken ist und bleibt die Expansion im europäischen Markt. Einen deutlichen Einfluß auf die Besitzverhältnisse in Spaniens Unternehmen hat auch das neue Steuergesetz, das in diesem Jahr in Kraft trat. Während vorher für den Verkauf eines großen Aktienpa- ketes eine Steuer von 35 Prozent zu entrichten war, sind es nun nur noch 18 Prozent, sofern das Kapital reinvestiert wird. Mit Verkäufen in diesem Jahr in Höhe von 3,8 Milliarden Euro haben die Unternehmen somit fast 600 Millionen Euro eingespart. Immer wieder mal auf Rot stehen die Ampeln beim Erdöl- konzern Repsol. Bedingt durch die Übernahme des argentinischen Konkurrenten YPF vor drei Jahren, und die Krise in dem Land, ist der Schuldenberg auf über 17 Milliarden Euro angewachsen. Mit dem Verkauf der Hälfte des Aktienpaketes von Gas Natural im Frühjahr dürfte sich die Schuldenlast zwar bis Ende 2002 um fast ein Drittel reduzieren, dennoch bliebe Repsol weiterhin der am stärksten verschuldete europäische Erdölkonzern. Um die Last weiter zu verringern, könnte Repsol sich außerdem von der Tochter Repsol Butano oder jenen Bereichen der Chemiesparte trennen, die nicht direkt Teil des Kerngeschäfts sind. Zudem könnte der Konzern in diesem Jahr auf die Ausschüttung von Dividenden verzichten.

Verkauf von Anteilen In einer delikaten Situation befindet sich auch Gamesa, deren Schulden die Eigenmittel fast um das Dreifache übertreffen. Die Verbindlichkeiten betragen knapp eine Milliarde Euro. Der Fabrikant von Windturbinen und Flugzeugtechnik plant den Verkauf von Anteilen an Windparks in Spanien, Portugal und Italien, was 1,2 Milliarden Euro in die Kasse spülen würde. Allerdings dürften diese Pläne den Widerstand des Referenzaktionärs Iberdrola wecken, der kein Interesse an zusätzlicher Konkurrenz hat. Geschwächt zeigt sich auch der Kabelnetzbetreiber Sogecable, der mit Via Digital fusionieren will. Ein Schuldenberg von insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro ist eine schwere Hypothek für das neue

Unternehmen. Auch von der Hotelkette Sol Mélia ist Unrühmliches zu berichten. Die Verbindlichkeiten sind gleich hoch wie die Aktiva. Ebenfalls unter hoher Verschuldung leiden die Versorger Endesa und Unión Fenosa, was hier jedoch weniger alarmierend ist, da die getätigten Investitionen langfristige Einkünfte versprechen.

Positiv: Bau und Mode Besser sieht die Lage für die spanischen Baufirmen aus. Auch sie sind zwar hoch verschuldet, können aber dank Konzessionen und Staatsaufträgen in den nächsten Jahren mit sicheren Einnahmen rechnen. Ausserdem scheint die Branche die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Im Mai verkaufte die Bank SCH ihren 23,5 Prozent Anteil an Dragados an den Mitkonkurrenten ACS. Der zögerte nicht lange und stieß die holländische HBG für 715 Millionen Euro ab, die Dragados vor nur fünf Monaten übernommen hatte. Auch die Telefónica hat mit Investitionen in neue Mobilfunknetze und Medienprojekte einen gewaltigen Schuldenberg von 26 Milliarden Euro angehäuft. Hinzu kommen neun Milliarden Euro der Tochter Telefónica Móviles. Dennoch steht die Telefónica im internationalen Vergleich gut da, erreicht der Wert der Aktiva doch fast den der Schulden, was bei der Konkurrenz selten der Fall ist.

Neben den Banken haben vor allem die Textilgruppe Inditex, die Spezialisten für Sicherheit Indra, der Anbieter von Flugbuchungssystemen Amadeus, sowie die Super- marktkette Carrefour das Schuldenproblem unter Kon- trolle. Dies bedeutet allerdings nicht, daß deren Titel deswegen automatisch interessant sind. Neben Werten aus dem Bausektor wie Dragados und ACS sind vor allem die Banken nach den starken Kursverlusten einen Kauf wert. Dank ihren umfangreichen Desinvestitionen dürften sie 2002 deutlich bessere Resultate präsentieren als zuvor. Für antizyklische Anleger ist es ein günstiger Zeitpunkt, um in die im internationalen Vergleich mäßig verschuldete Telefónica zu investieren. Die Titel sind mit derzeit rund zehn Euro so billig wie seit 1998 nicht mehr und gelten als deutlich unterbewertet.


Marc Lustenberger

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